Der werdende Vater

Die Erfahrungen der Mutter-Kind-Bindungsanalyse zeigen bisher, dass die ungeborenen Babys ihren Papa ähnlich intensiv wahrnehmen, wie ihre Mama. Sie als werdender Vater erhalten dadurch ebenso die Möglichkeit, sehr früh eine Bindung zu Ihrem Kind aufzubauen. Von Anfang an spielen Sie in der Beziehung zu Ihrem Baby also eine bedeutende Rolle.

Deshalb sind Sie jederzeit, sofern Sie oder Ihre Partnerin dies wünschen, herzlich zu allen Sitzungen mit eingeladen.

Auch außerhalb der Sitzungen können Sie über bestimmte, tägliche Rituale den inneren Kontakt zu Ihrem Baby stabilisieren. Das ungeborene Baby einer meiner Klientinnen hatte schon früh eine starke Bindung zu seinem Papa, der überwiegend an den Sitzungen teilnahm – war es nachts unruhig brauchte er nur die Hand auf den Bauch seiner Frau zu legen, dann schmiegte es sich förmlich hinein und entspannte sich unmittelbar darauf. So konnte auch seine Frau in Ruhe weiter schlafen.

Die Umwelt Ihres ungeborenen Kindes ist seine Mutter. Sie haben nun die wichtige Aufgabe, für Ihre Partnerin und Ihr Baby so etwas wie einen „sozialen Uterus“, eine geborgene Atmosphäre bereitzustellen, in dem sich Ihre schwangere Frau geschützt weiß und sich den großen Veränderungen in ihrem Leib und in ihrem Leben zuwenden und überlassen kann. Ganz einfach bedeutet das - geht es Ihrer Frau gut, geht es auch dem Baby gut.

Sehr wichtig sind ebenfalls die Informationen aus der Schwangerschaft Ihrer Mutter mit Ihnen und Ihrer eigenen Geburt – denn Sie als Vater geben diese Erfahrungen ebenso wie Ihre Frau unbewußt durch die Zellerinnerung des Körpers an Ihr Baby weiter. Was dann erneut zu generationsübergreifenden Wiederholungen führen kann. Das ist auch außerhalb der Bindungsanalyse und der Pränatalpsychologie altes Hebammenwissen, wie ich in mehreren Gesprächen von verschiedenen Hebammen erfuhr! Erfreulicherweise besteht auch hier die Möglichkeit durch die Bindungsananlyse diese Prägungen ebenfalls aufheben zu können, damit Ihr Baby seinen ganz eigenen Weg durch Schwangerschaft und Geburt finden kann.

In ihrem wunderbaren Buch "Die Seele fühlt von Anfang an" beschreibt die Diplom-Psychologin und Körpertherapeutin Bettina Alberti die Rolle und das seelische Befinden des werdenden Vaters sehr genau. Mit ihrer persönlichen Erlaubnis zitiere ich die Autorin hier.

 

Die Themen im Kapitel „Der pränatale Vater“

 


„Welche Bedeutung hat der Vater für die Zeit der Schwangerschaft und für das sich entwickelnde Kind?“:

„Erst einmal ist sicher: Auch wenn die Mutter den Raum für die Entwicklung gibt - ohne Vater gibt es kein Kind. Im Moment der Zeugung sind Mutter und Vater gleich wichtig, danach wird für einen langen Zeitraum der mütterliche Raum der wichtigste. Die Aufgabe des Vaters ist es in dieser Zeit, am Aufbau des Lebensraumes für das vorgeburtliche Kind mitzuwirken. Für das vorgeburtliche Kind befindet sich der Vater im Hintergrund und verglichen mit der Bedeutung der Mutter wird das auch einige Zeit so bleiben, nicht nur während der Schwangerschaft und Geburt, sondern auch in der ersten Lebenszeit, etwa den ersten zwei Jahren.

Im Hintergrund zu sein beeinflusst das seelische Befinden des Vaters. Gelingt es ihm, sich weiter wichtig zu fühlen, kann er auf seinem Hintergrundplatz warm und liebevoll bleiben. Vielleicht fühlt sich ein werdender Vater oder ein Vater der ersten Lebensjahre eines Kindes in dieser Situation aber auch machtlos und unwichtig. Dadurch kann er in einen inneren Teufelskreis aus Konflikten und Problemen geraten.

Der Ausbau des Lebensraumes des Kindes erfordert von den Eltern, die Zweisamkeit ihrer Liebes –bzw. Paarbeziehung für eine Weile zurückzustellen und sich für das Dreieck der Beziehung Vater - Mutter - Kind zu öffnen. Beim ersten Kind mag dies noch am stärksten so sein, weil das Geschehen für die Eltern noch unbekannt ist, aber eigentlich ist es für jedes Kind gleich wichtig. Durch die Öffnung des Bestehenden in etwas Neues hinein entsteht jedes Mal in einmaliger und nicht wiederholbarer Weise der seelische Raum für ein Kind.

Die Position des Vaters im Hintergrund einerseits und die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind andererseits kann leicht dazu führen, dass sich der Vater als überflüssiger Dritter fühlt. Er kann seinen Platz als unsicher und gefährdet empfinden, er kann Angst entwickeln, die Liebe der Partnerin zu verlieren. Und er kann resignieren, jemals die Liebe seines Kindes zu gewinnen, das in den ersten ein bis zwei Lebensjahren doch so sehr auf die Mutter bezogen ist.

An dieser Stelle hat es ein werdender und ein Vater der ersten Lebensjahre wesentlich schwerer als die Mutter. Die Mutter hat die Verbindung zu dem werdenden Kind auf seelischer und körperlicher Ebene, und oftmals blühen schwangere Frauen in dieser Zeit, die sie dann als Wunder erleben, regelrecht auf. Väter nehmen nur am Rande daran teil, unterliegen aber gleichzeitig dem Druck, glückliche werdende Väter zu sein.“

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Zur „Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte“ erläutert B. Alberti:

„Ein werdende Vater wird sich ebenso wie die Mutter instinktiv mit der eigenen Lebensgeschichte auseinander setzen. Die Erfahrungen, die er selbst als Kind gemacht hat, kommen in Erinnerung, die Erlebnisse mit der eigenen Mutter und das Bild vom Muttersein werden beim Anblick seiner schwangeren Frau geweckt.

Hat er selbst eine befriedigende, sichere Bindung zu seiner Mutter erleben dürfen? In diesem Fall wird der Vater inneren Frieden finden, sich vielleicht mit seinem werdenden Kind identifizieren und alles dafür tun, dass die Mutter - Kind - Beziehung sicher wird.

Ist die Erfahrungen mit der eigenen Mutter unbefriedigend, unsicher oder emotionell- missbräuchlich gewesen, gibt es manchmal noch alte Sehnsüchte, Ärger und Rachegefühle. So kann der Vater in einen inneren Konflikt geraten. Das Erleben der nahen Bindung zwischen seiner Frau und dem werdenden Kind oder dem Baby kann ihn in Unruhe und Spannung versetzen.

Seine Hintergrundposition weckt in ihm zusätzlich vielleicht die Gefühle des ehemals verlassenen Kindes, das er selbst einmal gewesen ist. An dieser Stelle können auch alte traumatische Erfahrungen ins Bewusstsein kommen. Vielleicht hat der Vater innere Überzeugungen, die besagen: Ich bin nicht wichtig, ich bin ungewollt. Solche Väter geraten in seelischer Not. Die Situation produziert Stress, und im Stress haben wir drei Möglichkeiten: Offensive, Rückzug oder Lähmung.

In den negativen Aspekten von Vaterbildern, die es in unserer Gesellschaft gibt, ist das deutlich zu sehen. Väter mit offensivem Weg versuchen, sich wichtig zu machen, sich aufzuspielen, sich in den Vordergrund zu drängen. Sie sehen nur noch die eigenen Bedürfnisse, werden aggressiv, schreien oder schlagen im Extremfall. Väter im Weg des Rückzugs gehen dagegen kaum noch nach Hause, trennen sich von ihrer Partnerin, wollen mit dem Kind nichts zu tun haben oder gehen fremd. Väter schließlich, die den Weg der Lähmung nehmen, werden brav, passen sich zu sehr an, werden depressiv oder resignieren. Wenn Väter diese Lösungswege ausleben spiegelt dies eigentlich die innere Bodenlosigkeit und Verlassenheit wieder, die sie oftmals selbst in ihrer pränatalen Lebenszeit oder späteren Kindheit erfahren haben.“

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Weiter schreibt B. Alberti zum Thema „... Vater sein“:

„Jeder Vater will eigentlich ein guter Vater sein. Die Generation der heute 25 - bis 50 - jährigen ist die erste Vatergeneration, die darauf hoffen kann, dass sie keinen Krieg erleben wird. Auch dies birgt eine Chance für neues väterliches Bewusstsein und Verhalten. In jedem werdenden Vater gibt es einen natürlichen Vaterinstinkt, auch wenn er möglicherweise negativ durch seine Lebensgeschichte beeinflusst ist. Auch dafür braucht es Schwangerschaftsbegleitung und Geburtshilfe. Wie es werdenden Vätern geht, findet bisher in den Geburtsvorbereitungskursen wenig Beachtung. Für die Beziehung zum Kind und für die Paarbeziehung könnte dies aber wichtig sein. Bereits zu diesem Zeitpunkt könnte eine Prävention späterer Partnerkonflikte, die junge Paare mit einem Baby häufig erleben, beginnen und damit auch dem Kind dienen.“

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Die „Unterschiede zwischen werdender Mutter und werdendem Vater“ beschreibt B. Alberti so:

„Die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden besonders in der Elternschaft deutlich und brauchen eine Überbrückung. Während der Schwangerschaft sind die Unterschiede schließlich unübersehbar. Eine Mutter, in deren Bauch das Kind heranwächst, hat eine andere Beziehung zu ihm als der Vater, der es im Bauch der Mutter weiß und es mehr von außen erlebt.

So erfährt der Vater die Freuden und Konflikte werdender Elternschaft aus einer ganz anderen Perspektive als die werdende Mutter und entwickelt daraus ganz andere Gefühle. Dies kann äußerst spannend und bereichernd sein, wenn es mit einem Gefühl von Autonomie und Vertrauen in die Sicherheit der Bindung zur Partnerin bzw. zum Partner verbunden ist.

Elternschaft fordert das Erwachsenwerden heraus. Das eigene Verständnis zum Leben wird neu definiert, die Aufgaben in der Partnerschaft werden neu verteilt. Dafür ist Selbstvertrauen wichtig. Für den werdenden Vater gibt es neue Seiten des Lebens, die er in sich entdecken kann: seine Potenz, das Sichfortpflanzen, die Zeugung, für ein Kind sorgen, für die schwangere Partnerin sorgen, eine Familie gründen, Verantwortung tragen. Dadurch verlässt er auch noch einmal endgültiger die Ursprungsfamilie, in der er aufgewachsen ist. Vielleicht wird er zu seinem eigenen Vater ein neues Verhältnis bekommen und sich über das Vatersein mit ihm verständigen können.“

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Zur „... Basis der Vater - Kind - Beziehung“ erklärt B. Alberti:

„Die Basis einer guten Vater - Kind - Beziehung ist die menschliche Begegnung und nicht die Ebene der Macht. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts hat sich die Einstellung von Vätern zu ihren Kindern sehr gewandelt. Es ist relativ neu, dass sich ein Vater schon in der Säuglingszeit für sein Kind interessiert und sich um es kümmert.

Das Bewusstsein dafür, dass der Vater bereits zu dem vorgeburtlichen Kind Kontakt aufnehmen kann, ist gerade erst im Entstehen. In früheren Generationen wurde die Rolle des Vaters oft durch Belehren und Bestrafen bestimmt. Ein Vater, der diese Rolle einnimmt, steht über den Dingen und ist vom Kind seelisch nicht erreichbar. Selbst in der Rolle des Lehrers bleibt er eher entfernt. Ein Vater kann aber auch die menschliche Begegnung in den Mittelpunkt der Beziehung stellen. Dafür muss er sich auf das Kind einstellen und braucht Einfühlungsvermögen, um sich in die innere Welt seines Kindes hinein versetzen zu können. Gelingt dies, fühlt das Kind sich vom Vater angenommen, geliebt und gewollt. Für den Vater Kann es sich anfühlen wie ein Wunder, diese Art von Kontakt zu seinem Kind zu haben.“

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B. Alberti erklärt auch „Was der werdende Vater vom werdenden Kind lernen kann“:

„Jede menschliche Begegnung beinhaltet, dass beide Beziehungspartner voneinander lernen, jede menschliche Begegnung macht innerlich reicher. Was also lernt ein Vater von seinem ungeborenen Kind? Klienten und Freunde haben unter anderem gesagt:

• "Ich habe gelernt, dass ich mir vertrauen kann."

• "Ich habe gelernt, die Zeit anders wahrzunehmen, habe angefangen, den Rhythmen des Lebens mehr zu vertrauen."

• "Ich habe gelernt, mir mehr Zeit zu nehmen. Trotzdem geht es manchmal rasend schnell…. ."

• "Ich habe auf neue Weise das Wasser lieben gelernt."

Diese Antworten zeigen, wie der Kontakt zu ihren vorgeburtlichen Kindern für Väter bereichernd sein kann. Das Einfühlungsvermögen, das der Vater dem Kind und der Mutter sowohl während der Schwangerschaft als auch in der Zeit nach der Geburt zeigt, ist die Basis für das Vertrauen, dass das Kind später in ihn braucht.

Es wird sich langsam von der Mutter lösen und hin zum Vater wenden, um sich in die Welt zu bewegen. Hier endet dann langsam die Zeit, in der der Vater eher im Hintergrund ist. In der Kleinkindzeit ist für das Kind vor allem das Spielen und das Toben mit dem Vater wichtig. In einer Studie über Väter und Kinder fanden die beiden deutschen Bildungsforscher Grossmann und Grossmann heraus, dass die Fähigkeit des Vaters, einfühlsam mit seinem Kind zu spielen, dessen Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Einfühlsames väterliches Spiel heißt, die Fähigkeiten und Interessen des Kindes wahrzunehmen.

Einerseits wird es herausgefordert und nicht jede Schwierigkeit wird gleich abgefangen, wozu Mütter eher neigen. Andererseits wird das Kind bei Überforderung im Spiel von Vätern zuverlässig unterstützt. Auf diese Weise kommt das Kind zu echten Erfolgserlebnissen. Das Kind braucht die Fähigkeit des Vaters, liebevoll zu führen, denn wenn ein Kind bemerkt, dass sein Vater ihm den Weg in die Welt ebnen kann, erlebt es ihn als stark und manchmal wie magisch. Anders als bei einem belehrenden oder strafenden Vater, der ja auch Macht hat und Macht ausübt, wird dies aber auf die seelische Welt des Kindes bezogen. Dadurch wird es dem Kind möglich, sich mit der Kraft des Vaters zu verbinden. Auch dies ist eine Art von Verschmelzung, wenn auch eine ganz andere als die mit der Mutter.

Der Psychotherapeut Hans Krens schreibt dazu:“ Hierfür braucht das Kind einen Menschen, der symbolisch als magischer Vater der mütterlichen Allmacht eine väterliche Allmacht entgegensetzen kann. Der Wunsch sich an der schützenden und starken Hand des Vaters vertrauensvoll von der symbiotische Abhängigkeit in Richtung Autonomie zu bewegen, ist stark und seelisch von großer Bedeutung. Das Kind glaubt an die magischen Kräfte des Vaters genauso, wie es unerschütterlich an den Weihnachtsmann glaubt. Wenn keine seelische Störung vorliegt, kann es sich dieser Kraft anvertrauen, den Vater idealisieren und die Erfahrung in sich aufnehmen."

Der ungarische Psychologe Jenö Raffai von der Universität Budapest erzählte einmal von einer schwierigen Geburt. "Die Situation war verfahren und schwierig, als der Vater, der dabei war, sich plötzlich vorbeugte und eindringlich zu dem Kind sagte: "Du musst jetzt rauskommen." Und es kam tatsächlich mit der nächsten Wehe."“

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Über „Die größere Freiheit des Vaters“ schreibt B. Alberti:

„Durch die unterschiedliche Wichtigkeit von werdender Mutter und werdendem Vater, die in den ersten Lebensjahren des Kindes anhält, hat der Vater wesentlich mehr Freiheiten und Möglichkeiten als die Mutter. Dies ist ein Vorteil der Hintergrundposition. Während der Vater potenziell genau daran leidet, kann die Mutter ein Problem damit haben, für die Bedürfnisse des Kindes immer zuständig zu sein.

In Paartherapien erleben wir es häufiger, dass Mütter neidisch werden, wenn die werdenden oder schon "geborenen" Väter die unterschiedlich vorhandene Freiheit nutzen und ihren Interessen und Hobbys nachgehen oder sich mit Freunden treffen. Sie versuchen dann manchmal, ihre Männer zu bremsen, oder vermitteln ihnen ein schlechtes Gewissen. Manchmal haben die Männer aber auch von sich aus Schuldgefühle. Sie meinen, sie müssten genau den Verzicht leisten, den die Mutter zwangsläufig durch die Schwangerschaft und ihre spätere Wichtigkeit für das Kleinkind leistet. Ein Vater z. B. , der zum Fußball geht, während seine hochschwangere Frau dem eigentlichen sportlichen Hobby nicht mehr nachgehen kann, wird sich möglicherweise schlecht fühlen.

Es kann für die Beziehung jedoch fruchtbar sein, wenn es dem Mann gelingt, sich einerseits in die Position seiner Frau einzufühlen, andererseits aber auch seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und ihnen nachzugehen. Auch für die Frau ist es wichtig, sich in die Position ihres Mannes einzufühlen. Es ist eine innere Leistung eines Paares und ein Ausdruck von gegenseitiger Freiheit und Individuation, wenn der Mann schließlich in Frieden seinen Interessen nachgehen kann.

Die Mutter kann sich eigentlich darüber freuen, wenn ihr Mann das tut. Die Chance ist groß, dass er dann in einem anderen wichtigen Moment mehr da sein kann, als es ihm sonst möglich wäre. Es ist nicht nötig, dass beide Partner in einer werdenden oder bestehenden Elternschaft nach dem Motto "geteiltes Leid ist gemeinsames Leid "auf Möglichkeiten verzichten, die ihnen Entspannung und Kraft geben könnten. Wenn sie selbst eigene Quellen für ihr seelisches Gleichgewicht haben, könnten sie sich gegenseitig in ihrem Mutter und Vatersein besser unterstützen.“

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Zu den „... Möglichkeiten des werdenden Vaters“, erläutert B. Alberti:

„Über die Seele der Mutter gibt es ein Band zwischen dem Vater und dem vorgeburtlichen Kind und auch darüber kann seine Hintergrundposition überbrückt werden. Gemeinsam können sich die Eltern vorstellen, das ungeborene Kind in der Gebärmutter zu besuchen. Die Mutter kann dem werdenden Kind von seinem Vater erzählen. Sie kann es fühlen lassen, dass sie in ihrer Beziehung eingebunden ist und der Vater erfährt darüber eine Wichtigkeit. Sie kann spüren, dass das Kind durch beide, Mutter und Vater, gezeugt wurde, auch wenn es jetzt in ihrem Körper heranreift.

Der Vater kann über den schwangeren Bauch seiner Frau das ungeborene Kind berühren. Ultraschallbilder zeigen, dass sich das vorgeburtliche Kind teilweise diesen Berührungen entgegen bewegt. Die Bewegungen seines Kindes durch die Bauchdecke der Mutter zu spüren, kann für den Vater beglückend sein. In manchen Fällen ist es ihm aber auch etwas unheimlich. Er berührt hier etwas von außen, dass er niemals von innen fühlen wird. Werdende Väter haben dieses Gefühl der Unheimlichkeit manchmal nur im Verborgenen. Das ist eigentlich schade, denn genau dies mitzuteilen, zeigt etwas von seinem Erleben. In einer solchen Berührung kann sich auch die Schutzfunktion, die der Vater für das Kind und seine Frau hat, ausdrücken.“

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Doch auch „Die Einsamkeit des werdenden Vaters“ wird von B. Alberti beschrieben:

„Einsamkeit ist scheinbar ein Gefühl, dass zur Schwangerschaft nicht passt. Es gehört deshalb auch zu den heimlichen und verschwiegenen Gefühlen vieler werdende Väter. Zum Teil wird Einsamkeit durch die starke Nähe zwischen der Mutter und dem werdenden Kind ausgelöst. Der Vater ist nicht am direkten Prozess der Schwangerschaft beteiligt und fühlt sich womöglich überflüssig oder weit entfernt. Solchen Gefühlen begegnen Männer häufig mit Rückzug und Schweigen - und dies löst Einsamkeit aus. Sie kann durchaus ihren Sinn haben, kann sie dem Mann doch dabei helfen, einen Weg durch seine inneren Fragen zu finden. Dann ist es wichtig, dass die Einsamkeit gewollt und kein erzwungenes Gefühl ist, aus dem es keinen Ausweg gibt. Und wie kann sie mitgeteilt werden? Hierfür brauchen werdende Väter das Verständnis ihrer Partnerin, so wie werdende Mütter das ihres Partners brauchen.“

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Wichtig ist laut B. Alberti „Die Gemeinschaft mit anderen Vätern“:

„Werdende Väter brauchen auch die Gemeinschaft mit anderen Vätern. Männer müssen häufig erst lernen, einen tiefen gefühlsmäßigen Kontakt zu anderen Männern aufzubauen. Sie sind dies oft nicht gewöhnt oder glauben nicht an seine solche Möglichkeit. Mit ihren eigenen Vätern haben sie ihn meist nicht erlebt.

Wirklich bewegende Gefühle teilen Sie eher mit Frauen. Ein Mann kann aber einen anderen Mann in vielen Punkten anders verstehen als eine Frau, kennt er doch die Fragen aus seinem eigenen Erleben. In unserer gruppentherapeutischen Arbeit mit Männern geht es häufig um die Vermittlung der Erfahrung, dass der Kontakt mit anderen Männern etwas Bereicherndes sein kann. Es entsteht eine Art von Verbindung, die mit Frauen nicht möglich ist. Hat ein Mann diese Möglichkeit für sich entdeckt, kommt es auch zu einer Entlastung der Paarbeziehung. Frauen sind dafür oft dankbar, allerdings nur dann, wenn sie selbst für sich die Wichtigkeit anderer Frauen annehmen können.

In anderen Kulturkreisen geschieht die Geburt häufig im Kreis der Frauen, während sich der werdende Vater im Kreis der Männer aufhält. Für die seelische Unterstützung ist dies sehr sinnvoll. Sicher ist es ein großer Gewinn unserer Zeit, dass Männer bei der Geburt ihrer Kinder dabei sein können. Viele Hebammen und Geburtshelfer berichten aber auch, dass die Väter dabei häufig einen verlorenen Eindruck machen. Ein Klient sagte einmal: "Mein Freund wird bald Vater, und ich habe ihm angeboten, dass er mich während der Geburt gerne anrufen kann. Ich würde dann eben bei ihm vorbeifahren und ihm kurz freundschaftliche Unterstützung geben." Der Augenblick der Zeugung, die Zeit der Schwangerschaft und die Geburt sind wichtige Erlebnisse für die entstehende Bindung des Vaters zu seinem Kind. Dies ist ja nur der Anfang. Der Vater hat noch viel mehr Zeit, die Persönlichkeit seines Kindes zu begreifen und seine Liebe wachsen zu lassen.“

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